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Foto: Kristina Kast

Christina zur Nedden is a freelance journalist and reports in German and English on tech, politics in Southeast Asia and human interest stories.

Her texts and videos appear on welt. de, WELT am Sonntag, dw.com and Financial Times. She has published with fluter.de, sifted.eu, SPIEGEL, FAZ, ZEIT ONLINE, taz.am wochenende and Radio Berlin Brandenburg.

2018/19 CvD and editor at watson.de

2017 CVD head of homepage WIRED Germany

Trained as a journalist Evangelische Journalistenschule Berlin.

MSc Global Politics at the London School of Economics with a focus on China.

BA European Studies University Maastricht

Support of the Medienboard Berlin-Brandenburg for her own web series “Auf Arbeit” (At Work)

10-part mini-podcast-series “Pandemic Provence” on Apple Podcasts, Spotify and SoundCloud

Christina zur Nedden lives in Vienna and Southeast Asia

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„Sicher fühlt sich hier niemand mehr“

In Myanmar stürzt das Militär die Regierung und geht brutal gegen Demonstrierende vor. Dem Land droht ein Bürgerkrieg. Hier erzählt Aye Thiri Kyaw, 34, wie sie diese Zeit erlebt

Vor vier Monaten hat das Militär unsere Demokratie gestohlen. Ich erinnere mich genau: Am 1. Februar bin ich gegen acht Uhr in meiner Wohnung in Yangon aufgewacht. Wie immer checkte ich erst einmal mein Smartphone – aber irgendwie ging das Internet nicht. Da wusste ich: Etwas stimmt nicht. Meine Mutter sagte: „Das Militär hat die Macht übernommen.“

Im Fernsehen wurde verkündet, dass die regierenden Politiker verhaftet worden seien. Schon in den Wochen vorher wurde überall von einem Putsch gesprochen. Dass ich gerade wirklich einen erlebe, habe ich aber lange nicht begriffen.

Nach dem Putsch blieben die meisten mehrere Tage lang zu Hause und verfolgten die Nachrichten. Am 5. Februar schaltete das Militärregime dann gleich für eineinhalb Tage das Internet ab. Damit begannen die Proteste. Zuerst waren es vor allem junge Leute, die gegen die Internetsperre protestierten. Junge Menschen sind in Myanmar wie überall auf der ganzen Welt: immer online. Dass ihnen einfach genommen wird, was so selbstverständlich ist und ihren Alltag bestimmt, hat viele verärgert.

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Warum Österreich Schwangere impft und Deutschland nicht

Ich lebe in Wien, erwarte ein Kind und konnte mich ganz offiziell gegen Corona impfen lassen. Meine schwangere Freundin in Bayern musste es heimlich tun. Eine Gewissensentscheidung, die viele Frauen überfordert.

Mein Herz klopft, als ich der Ärztin im Impfzentrum meinen Fragebogen reiche. Sie schaut kurz drüber und legt ihn beiseite. Ich atme auf, denn bei der Frage, ob ich schwanger sei, habe ich »Ja« angekreuzt. In Deutschland wäre ich spätestens jetzt nach Hause geschickt worden. Bis auf Sachsen empfiehlt kein deutsches Bundesland Schwangeren eine Impfung. Ich habe zwar die deutsche Staatsbürgerschaft, lebe aber in Wien, und dort lasse ich mich während meiner Schwangerschaft gegen Covid-19 impfen.

Es ist der 10. Mai. Erst knapp zwei Wochen zuvor hat das Nationale Impfgremium in Österreich die Impfung für alle Frauen ab der 13. Schwangerschaftswoche empfohlen. Ich bekam sofort einen Termin – allerdings auch, weil ich eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse habe, die mich neben meiner Schwangerschaft zur Risikopatientin in Österreich macht. Die Nadel im Oberarm spüre ich kaum, dafür ein Gefühl der Erleichterung, dass mein ungeborenes Baby und ich nun vor einem schweren Covid-Verlauf geschützt sein werden.

Zwei Tage vor mir macht meine Schulfreundin Rita in der gleichen Situation eine komplett andere Erfahrung. Ihr vollständiger Name ist ein anderer, sie möchte ihn hier nicht lesen, da sie in ihrem Wohnort zahlreiche Impfgegner vermutet, die sie wohl für ihre Entscheidung verurteilen würden. Auch sie ist schwanger und möchte sich impfen lassen, das ist für sie aber nur schwer möglich – viereinhalb Stunden Autofahrt von Wien entfernt am Tegernsee in Bayern.

Den ganzen Text gibt es auf spiegel.de

„Ich mache mir Sorgen, dass die Situation auf Nachbarländer überschwappt“

Der indische Premierminister Modi hatte die Pandemie bereits für besiegt erklärt. Nun bleibt die Lage dramatisch. Ein deutscher Helfer berichtet, was er in der Hauptstadt Delhi erlebt.

Ich lebe seit fünfzehn Jahren in Südasien, die letzten fünf davon in Indien. Was hier gerade passiert, ist schlimmer als alles, was ich je erlebt habe. Das ist schrecklicher als die Folgen des Tsunamis oder der Bürgerkrieg in Sri Lanka, den ich auch aus der Nähe erlebt habe.

Die Menschen sterben, und ich fühle mich hilflos. Viele suchen in den sozialen Medien nach Sauerstoff, einem Krankenhausbett, Plasmaspenden oder Medikamenten. Andere bitten um eine warme Mahlzeit, weil sie der Lockdown zwingt, zu Hause zu bleiben.

Hier in Delhi, wo ich mit meiner Familie lebe, bilden sich lange Schlangen vor den Apotheken und vor den Krankenhäusern, die kaum noch jemanden aufnehmen. Der Staat hilft fast gar nicht. Die meisten Familien pflegen die Infizierten zu Hause. Private Initiativen verteilen Essen und Medikamente. In meiner Nachbarschaft kochen Familien für andere Haushalte. Hier in der Gegend gibt es private Firmen, die Kranke transportieren oder Sauerstoffflaschen verteilen. Mein Sohn hat Online-Unterricht. Die Lehrer fallen oft aus, weil sie sich um kranke Angehörige kümmern müssen.

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Indien im Bann der Doppelmutante

In Indien explodiert die Zahl der Corona-Infektionen geradezu. Eine neuartige Mutation des Virus könnte eine Ursache sein. Noch gibt es außerhalb des Landes nur wenige Fälle, unter anderem in Deutschland. Experten in Großbritannien reagieren aber bereits alarmiert.

In Indien nahm die Pandemie zunächst einen verhältnismäßig milden Verlauf. Mitte September vergangenen Jahres verzeichnete die Regierung einen Höchststand an 98.000 täglichen Neuinfektionen, nachdem der erste Fall Ende Januar im Land registriert wurde. Danach sank diese Zahl über die nächsten fünf Monate stetig ab. Insgesamt verzeichnet der südasiatische Staat bisher 15,3 Millionen Fälle und 181.000 Corona-Tote.

Diese Zahlen klingen aus europäischer Sicht erschreckend hoch, in Indien leben jedoch fast 1,4 Milliarden Menschen zum Teil auf engstem Raum zusammen. Das Land stand zwar lange an dritter Stelle der Corona-Negativrangliste, anders als Spitzenreiter USA und Brasilien war es jedoch nicht von Mutationen oder mehreren tödlichen Viruswellen betroffen.

Dies droht sich nun zu ändern. In den Megastädten Mumbai (Einwohner in der Metropolregion: 20 Millionen) und Neu-Delhi (30 Millionen) explodieren die Corona-Fallzahlen. Krankenhäuser und Krematorien sind überlastet.

Zuletzt wurden innerhalb eines Tages 270.000 Neuinfektionen registriert– ein Rekord. Erklärbar ist der Anstieg durch eine gewisse Corona-Müdigkeit, wie viele Länder sie nach über einem Jahr Pandemie derzeit erleben. So badeten kürzlich bei einem hinduistischen Fest Hunderttausende Menschen im Fluss Ganges – ohne Maske und Abstand.

Den ganzen Text gibt es auf welt.de

„Ich klebe mir gern falsche Wimpern an, damit die Message rüberkommt“

Um Thailands König kritisieren zu können, floh der Professor Pavin Chachavalpongpun nach Japan und gründete eine der größten Facebook-Gruppen der Welt

Für viele junge Thailänder*innen ist Pavin Chachavalpongpun der König ihres Landes – und nicht Amtsinhaber Maha Vajiralongkorn. Bei den andauernden Protesten für mehr Demokratie und Reformen der Monarchie wird Chachavalpongpuns Bild goldgerahmt durch die Straßen getragen. Der Professor (Politik und internationale Beziehungen an der Universität Kyoto) hat im April 2020 die Facebook-Gruppe „Royalist Marketplace“ gegründet, die mit 2,2 Millionen Mitgliedern zu den größten Facebook-Gruppen der Welt gehört und als Initiationsort für die großen Proteste gesehen wird, die ein paar Monate später begannen.

fluter.de: Wenn man gerade nur deutsche Nachrichten verfolgt, wüsste man gar nichts von einer Demokratiebewegung in Thailand. Wird denn noch protestiert?

Pavin Chachavalpongpun: Ja, allerdings etwas weniger: Thailand hat eine neue Covid-Welle erreicht, und vier Anführer unserer Protestbewegung wurden wegen Artikel 112, einem strengen Majestätsbeleidigungsgesetz, festgenommen. In den aktuellen Protesten wird fast ausschließlich ihre Freilassung gefordert. Es fehlen die Forderungen, die die Menschen mal inspiriert haben, auf die Straße zu gehen.

Was waren das für Forderungen?

Die Auflösung des Parlaments, eine neue Verfassung, eine Reform der Monarchie, strenge Grenzen für Maha Vajiralongkorn.

Der König verbringt viel Zeit in Deutschland. Während des ersten Corona-Lockdowns im Frühjahr 2020 stieg er länger in einem Luxushotel in Garmisch-Partenkirchen ab, später in seiner Villa am Starnberger See. Viele Thailänder*innen sind enttäuscht, dass er sein Land mit der Corona-Krise allein lässt, um im Ausland sein luxuriöses Privatleben zu genießen.

Die Protestbewegung hat ihn deutlich kritisiert. Diese wichtigen Forderungen rücken in den Hintergrund, weil die Öffentlichkeit durch die Pandemie weniger über die Monarchie redet. Das spielt dem Regime in die Hände.

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