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Warnung vor Chinas Politik: „Lernt von Hongkong!“

Im Schnellverfahren hat Peking ein Sicherheitsgesetz beschlossen, das Hongkong in seiner Autonomie bedroht. Jede Form von Opposition könne künftig bestraft werden, fürchten Rechtsexperten. Ihre Proteste richten sich nicht nur gegen dieses Gesetz.

Rachel Wang saß in ihrem Büro im Finanzviertel von Hongkong, als sie eine Nachricht auf ihr Handy bekam: „Du bist doch Absolventin, du musst ihnen helfen!“ Dazu ein Video, das drei Mädchen in Schuluniform zeigt, die von bewaffneten Polizisten verfolgt und in einen Hauseingang gedrängt werden.

Es war Mittwochnachmittag, knapp eine Woche nachdem die chinesische Regierung den Plan für ein neues Sicherheitsgesetz in Hongkong vorgestellt hatte. Wang, die früher einmal auf der gleichen Schule wie die Mädchen war und selbst zwei Kinder hat, postete das Video in ihrer Alumni-Gruppe. Mit einem Aufruf zur Solidarität. „Ich fühlte mich machtlos und war verstört“, erzählt sie am Telefon. Ihren echten Namen möchte sie nicht veröffentlichen lassen.

Die junge Frau, die in China geboren wurde und als Kind nach Hongkong emigrierte, ist im Sommer selbst noch auf die Straße gegangen. Doch dann wurden die Proteste nicht mehr genehmigt. Nun drohen Verhaftungen und empfindliche Strafen. „Wer protestiert, dem kann gekündigt werden. Verliere ich meinen Job, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ich von einem Festland-Chinesen ersetzt werde“, sagt Wang. Denn gerade auf besser bezahlten Positionen in der Wirtschaft wolle man Peking-treue Mitarbeiter, erzählt sie. „Freunde, die für chinesische Firmen arbeiten, müssen eine Onlinepetition für das Sicherheitsgesetz unterschreiben. Als Beweis sollen sie Screenshots an ihre Arbeitgeber schicken.“

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„Hongkong ist das neue West-Berlin“

Die Familie von Evan Fowler lebt seit fünf Jahrzehnten in Hongkong. Vor zwei Jahren musste der Forscher vor dem Regime in Peking fliehen. Die aktuelle Lage hält er für bedrohlich und erklärt, was die Unterschiede zwischen Hongkongern und Festlandchinesen sind.

WELT: Sie mussten vor zwei Jahren aus  Hongkong in das Vereinigte Königreich fliehen. Wie geht es Ihrer Familie und Ihren Freunden zu Hause im Moment?

Evan Fowler: Sie sind verzweifelt. Alle, mit denen ich gesprochen habe, sind schockiert, ob sie nun politisch sind, an den Protesten teilgenommen haben oder nicht. Die Menschen erkennen nicht mehr das Hongkong, das sie einst kannten – es ist nicht mehr eine Stadt, die ihre Werte widerspiegelt. Sie fühlen sich nicht mehr sicher. 

Einige Menschen suchen nach Möglichkeiten auszuwandern, auch nach Großbritannien. Ob sie ausreisen wollen oder nicht, ist unklar, aber sie wollen die Option haben. Sie wollen sich nicht in einer Stadt gefangen fühlen, die sich nicht mehr sicher anfühlt.

WELT: Im vergangenen Jahr gingen Tausende von Hongkongern auf die Straße, um gegen den Vorschlag eines Auslieferungsgesetzes mit China zu protestieren, der schließlich zurückgezogen wurde. Inwiefern unterscheidet sich das nun von Chinas Volkskongress gebilligte Sicherheitsgesetz von diesem, und sind die Menschen mehr oder weniger besorgt darüber, wie es sich auf sie auswirken könnte?

Evan Fowler

Fowler: Durch ihren Widerstand gegen das Auslieferungsgesetz versuchten die Menschen, die Tür zu China geschlossen zu halten. Sie wollten die Unabhängigkeit ihres Rechtssystems bewahren im Einklang mit dem, was ihnen im 1997 verabschiedeten Grundgesetz versprochen worden war. Das neue Sicherheitsgesetz geht weit über die Auslieferung hinaus – es droht, Hongkong chinesisches Recht aufzuzwingen.

Die Tür ist nun im Wesentlichen aufgestoßen. Es bleibt zwar abzuwarten, wie die Gesetze in Hongkong in Kraft treten und durchgesetzt werden, aber es ist schwer vorstellbar, dass sie nicht gegen Rechte und Freiheiten verstoßen, die angeblich durch das Grundgesetz und die völkerrechtlichen Verpflichtungen Hongkongs garantiert sind.

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Human contact tracing provides valuable clues to COVID-19 infections

While government heads dream of a COVID app as a one-size-fits-all solution to end lockdowns, human contact tracers have been doing detective work to preempt escalating infections in San Francisco, Singapore and Bavaria.

When Lucia Abascal calls a client, she first asks them whether they have a home and enough to eat for 14 days. “There are many homeless people in San Francisco. Not everyone can afford a quarantine.” Abascal, who was born in Mexico and is now a clinician in the US, often speaks to clients in her mother tongue. “The majority of at-risk people in the Bay Area are Latinos. Some have to go outside to work to provide for their large families. This makes them vulnerable to catching the virus.”

Abascal works as a contact tracer. She is part of a 40-person team in San Francisco consisting of public health officials, clinicians, medical students, but also librarians currently out of work. They call the contacts of people infected with COVID-19 and arrange tests for them. If needed, they send food packages or medicine and arrange hotel rooms.

Lucia Abascal works as a contact tracer and clinician in San Francisco
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„Statt Ärger zu machen, werdet ihr von mir ins Grab geschickt“

Länger als Wuhan: Der längste Corona-Lockdown der Welt gilt auf den Philippinen. Für Menschen, die ihre Häuser verlassen, weil sie hungern, hat der berüchtigte Präsident Duterte einen Satz übrig: „Erschießt sie!“

Wir haben in den letzten zweieinhalb Monaten nur drei Essenspakete mit Konservendosen und Reis von der Regierung bekommen“, erzählt Merck Maguddayao am Telefon. Der 33-jährige Filipino verteilt selbst gemeinsam mit Gastronomen Essen an Menschen in Slums, die ärmer sind als er. Die Hilfen der Regierung kommen dort nicht an oder reichen nicht aus.

„Erschießt sie!“ Mit diesen Worten drohte Präsident Rodrigo Duterte Filipinos, die trotz des Lockdowns auf die Straße gingen, weil sie hungerten. In der Mega-Metropole Manila herrscht seit mehr als zwei Monaten Ausgangssperre, nicht immer erreichen Soforthilfen die Bewohner der Armenviertel. 

Der Lockdown wird mit Einsatz des Militärs, Verhaftungen und Einschränkung der Pressefreiheit durchgesetzt. Und das Virus hat leichtes Spiel: Der 7000-Insel-Staat hat die überfülltesten Gefängnisse der Welt und wird regelmäßig von Naturkatastrophen heimgesucht, die Menschen in Evakuierungszentren dicht zusammendrängen.

Merck Maguddayao ist 33 Jahre alt und lebt im Nordosten Manilas

Maguddayao wohnt mit seiner Familie in Batasan Hills, im Nordosten der 13-Millionen-Metropolregion Manila, einem der am dichtesten besiedelten Orte der Erde. Seit dem 16. März herrscht hier eine Ausgangssperre, die von ihrer Härte mit der in Wuhan vergleichbar ist. Nur dass er hier insgesamt 80 Tage dauern soll, mehr als zehn Wochen also – länger als in Italien, länger als in Spanien, länger als die 76-Tage-Quarantäne in China.

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Eine Annahme unterscheidet Skandinavien und Deutschland

Als Kinder in Dänemark Mitte April zurück in die Grundschule und den Kindergarten kamen, durften sie ihre Freunde nicht umarmen. Zwei Meter Abstand zwischen den Tischen, alle zwei Stunden werden Hände gewaschen und Türgriffe desinfiziert, überall stehen Schilder, die daran erinnern, sich nicht zu nahe zu kommen. Der Unterricht findet in kleinen Gruppen und so oft wie möglich auch in Parks und auf Spielplätzen statt. Viel Aufwand, aber dafür endlich wieder ein Stück Normalität, von dem viele deutsche Kinder und Eltern derzeit nur träumen können.

Bisher hatte die Bundesregierung vor allem warme Worte für Familien übrig. Einen einheitlichen Plan für die Öffnung von Schulen und Kitas gibt es nicht, die Länder sollen sich ein Konzept überlegen. Es ist geplant, Schulen bis zu den Sommerferien langsam wieder zu öffnen, an qualitativem Fernunterricht mangelt es jedoch vielerorts. Eine Gruppe von Bildungsökonomen warnte nun, dass dies lebenslange finanzielle Nachteile für Deutschlands Kinder und die gesamte Wirtschaft haben wird.

In nordeuropäischen Ländern wie Dänemark, Norwegen oder Schweden waren Betreuungs- und Bildungseinrichtungen für die Kleinsten nie geschlossen oder wurden vorrangig wieder geöffnet. Ein Blick auf die Infektionszahlen zeigt, dass ein breites Wiederaufflackern der Epidemie in Dänemark beispielsweise bislang ausgeblieben ist, in Schweden sind vor allem Menschen in Altersheimen infiziert. Zeigt dies, dass von Kindern keine große Ansteckungsgefahr ausgeht? Und könnte Deutschland davon lernen?

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