Category: Internet

Kampf gegen Corona in Asien: Erfolg dank Datenzugriff

Dieser Text erschien zuerst auf dw.com

Ohne Handy kommt man nicht in den Supermarkt: Singapur und Südkorea setzen auf die extensive Nutzung der Daten von Bürgern gegen die Verbreitung von COVID-19. Im Westen will man eher Daten- statt Virenschutz.

Jeden Abend bekommt Janine Dietzel eine SMS der Regierung mit dem Inhalt, dass keine neuen Corona-Fälle registriert wurden. Seit ein paar Wochen sind in Singapur keine lokal verbreiteten COVID-19-Fälle mehr aufgetreten. Dietzel fühlt sich sicher, sie kann sich nicht anstecken. Doch das Sicherheitsgefühl hat eine Kehrseite: “Ich habe keine andere Wahl, als mich den vielen Regeln zu fügen”, sagt sie der DW am Telefon.

Die Regeln fangen an, sobald sie ihre Wohnung in Singapur verlässt. Ihr Handy ist dann immer voll aufgeladen, denn sie braucht es, um sich frei bewegen zu können. “Ich muss mich überall ein- und auschecken.” Wie oft sie ihr Handy zücken muss, erklärt Dietzel am Beispiel eines Besuchs im Einkaufszentrum. Sie scannt es zuerst am Haupteingang, als nächstes, wenn sie drinnen einen der Läden betritt, wenn sie diesen wieder verlässt, und zuletzt, wenn sie aus dem Gebäude wieder auf die Straße hinausgeht. 

Wenn sie also die Shopping Mall und darin vier Geschäfte besucht, wurden ihre Daten zehn Mal gespeichert. “Selbst bei einem kleinen Takeaway-Stand auf dem Markt muss ich mich scannen lassen”, erzählt die Deutsche, die seit drei Jahren in Singapur lebt.

Read More

Auf eine Pizza in Pjöngjang

Eine Youtuberin namens Un A soll das kommunistische Nordkorea für den Westen weltoffen und wohlhabend präsentieren. Dafür geht sie essen, einkaufen und joggen. Eine Strategie, die bei einigen durchaus aufgeht. Experten haben eine Erklärung.

Un A steht in einem riesigen Konzertsaal, hinter ihr strömen Hunderte junge Menschen mit Mundschutz in Richtung Bühne. „Ich weiß nicht, ob es bei euch auch ‚Youth Day‘ gibt, aber bei uns ist er eines der aufregendsten Ereignisse“, ruft sie und beklatscht die bunt gekleidete Tanzgruppe, die auch beim Eurovision Song Contest auftreten könnte. Die junge Frau mit dem Kurzhaarschnitt lebt nicht in Europa, sondern in Pjöngjang. Un A ist Nordkoreas erste englischsprachige YouTuberin.

Der Kanal „Echo of Truth“, auf dem ihre Beiträge laufen, hat nichts mehr mit Aufnahmen von steifen Militärparaden gemein oder der Staatspropaganda mit 80er-Jahre-Flair, für die die Diktatur bisher bekannt war. In ihren Videos mit Titeln wie „What’s up Pyongyang?“ isst sie Pizza, geht joggen, oder in einen Freizeitpark.

Ihre Landsleute erreicht sie damit nicht, in Nordkorea ist der Zugang zum Internet der Elite vorbehalten. Doch das ist auch gar nicht das Ziel: Un A soll, in fließendem Englisch, junge Menschen im Ausland ansprechen und ihnen ein Nordkorea zeigen, das durch Menschlichkeit und Harmonie überzeugt.

Die kommunistische Diktatur experimentiert bereits seit einigen Jahren mit sozialen Medien. In den letzten Wochen jedoch haben die Beiträge von Un A und anderen jungen Moderatorinnen stark zugenommen. Sie präsentieren Nordkoreas vermeintlichen Alltag und sollen aus dem Westen stammende „Fake News“ über ihr Land entlarven.

Den vollständigen Text gibt es auf welt.de

Warum ihr aufhören solltet, eure Babys zu posten

Photo by Liv Bruce on Unsplash

Photo by Liv Bruce on Unsplash

Dieser Beitrag erschien zuerst am 15.05.2018 auf watson.de

Am Sonntag war Muttertag. Da haben mal wieder alle ihren Mamas mit herzzerreißenden digitalisierten Analog-Fotos auf Instagram gratuliert (obwohl die Mütter es da nicht sehen, weil die sind meist nicht auf Instagram).

In meinem Freundeskreis gibt es auch schon einige Eltern. Und was tun die Partner meiner Freundinnen? Sie posten ein Foto ihrer Liebsten mit dem gemeinsamen Baby, auf Instagram, auf Facebook, auf Twitter. Die ganze Welt soll die jungen Mütter und vor Allem den süßen Nachwuchs bewundern.

Kaum geboren, schon auf Instagram

Neulich öffnete ich Instagram und scrollte lethargisch über meinen Newsfeed, da sah ich: Ein nacktes, schutzloses Wesen, zerknautschtes Gesicht, Schläuche an der Brust, sein kleines Ärmchen in einem Gips gesteckt. Es handelte sich nicht um ein Unfallopfer, sondern um das Neugeborene eines Freundes. Dazu der Text: “Willkommen in der Welt, Jonas. Babys sind toll”. Toll, auch für die Likes meines Freundes. 111 Personen gaben ihm ein Herzchen für das Foto und kommentierten mit “Glückwunsch!” und “Wie süß!”. Read More

Refugees in Iraq prepare for digital future

Not far from the conflict in northern Iraq, refugees are studying for their digital future. The IT concept aims to help them out of unemployment with computer skills. Ariana Dongus and Christina zur Nedden report.

When Goory Al-Hamed fled from Damascus, she didn’t think twice about what to take along: a few clothes and her laptop – not knowing that it would soon become her most important asset.

Now, just over three years later, the 27-year old woman sits on a pillow in a refugee camp South of Irbil, the Kurdish capital of Northern Iraq, her laptop in front of her, next to her a little gas oven, the only heat source on this cold morning. Goory quickly types out a programming code. Her web application prototype is almost finished. But then the light goes out with a bang: another power cut. Goory shuts down the laptop and leaves the shanty. She passes the white tents of the UN refugee agency, the football field, the mosque and the Iraqi security guards’ office and walks out of the camp. A few minutes later, the bus arrives that takes her to the programming school.

Read More

Programmierer aus dem Flüchtlingscamp

Foto: Ariana Dongus

Foto: Ariana Dongus

Dieser Beitrag erschien in der Printausgabe der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung am 30. April 2017 und online auf faz.net

Im Irak tobt der Krieg gegen den IS. Nebenan büffeln Flüchtlinge für die digitale Zukunft. Das Konzept einer Amerikanerin will ihnen mit Technologiekenntnissen aus der Arbeitslosigkeit heraushelfen.

Als Goory Al-Hamed aus Damaskus fliehen muss, denkt sie nicht lange nach, was sie mitnimmt. Es sind nur ein paar Kleidungsstücke und ihr Laptop, der später zu ihrem größten Kapital werden wird. Jetzt, dreieinhalb Jahre später, sitzt die 27-jährige zierliche Frau auf einem Kissen in einem Flüchtlingscamp am südlichen Ende von Arbil, der kurdischen Hauptstadt des Nordiraks, denselben Laptop vor sich, neben ihr der kleine Gasofen – die einzige Wärmequelle an diesem kalten Morgen. Sie streift die Ärmel ihres Mantels zurück und tippt rasend schnell einen Computercode ins Eingabefenster.

Ihre Website, die es Krankenhäusern ermöglichen soll, bei Versorgungsknappheit Medikamente untereinander auszutauschen, ist fast fertig gebaut. Nur noch wenige Klicks. Doch dann erlischt mit einem Knall das Licht: schon wieder Stromausfall. Al-Hamed klappt den Rechner zu und verlässt die Baracke. Sie geht vorbei an den weißen Zelten des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen, dem Fußballplatz, dem Elektronik-Geschäft ihres Bruders, raus aus dem Camp. Gleich kommt der Bus, der sie zur Programmierschule bringt. Read More