Category: Indien

„Ich mache mir Sorgen, dass die Situation auf Nachbarländer überschwappt“

Der indische Premierminister Modi hatte die Pandemie bereits für besiegt erklärt. Nun bleibt die Lage dramatisch. Ein deutscher Helfer berichtet, was er in der Hauptstadt Delhi erlebt.

Ich lebe seit fünfzehn Jahren in Südasien, die letzten fünf davon in Indien. Was hier gerade passiert, ist schlimmer als alles, was ich je erlebt habe. Das ist schrecklicher als die Folgen des Tsunamis oder der Bürgerkrieg in Sri Lanka, den ich auch aus der Nähe erlebt habe.

Die Menschen sterben, und ich fühle mich hilflos. Viele suchen in den sozialen Medien nach Sauerstoff, einem Krankenhausbett, Plasmaspenden oder Medikamenten. Andere bitten um eine warme Mahlzeit, weil sie der Lockdown zwingt, zu Hause zu bleiben.

Hier in Delhi, wo ich mit meiner Familie lebe, bilden sich lange Schlangen vor den Apotheken und vor den Krankenhäusern, die kaum noch jemanden aufnehmen. Der Staat hilft fast gar nicht. Die meisten Familien pflegen die Infizierten zu Hause. Private Initiativen verteilen Essen und Medikamente. In meiner Nachbarschaft kochen Familien für andere Haushalte. Hier in der Gegend gibt es private Firmen, die Kranke transportieren oder Sauerstoffflaschen verteilen. Mein Sohn hat Online-Unterricht. Die Lehrer fallen oft aus, weil sie sich um kranke Angehörige kümmern müssen.

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Indien im Bann der Doppelmutante

In Indien explodiert die Zahl der Corona-Infektionen geradezu. Eine neuartige Mutation des Virus könnte eine Ursache sein. Noch gibt es außerhalb des Landes nur wenige Fälle, unter anderem in Deutschland. Experten in Großbritannien reagieren aber bereits alarmiert.

In Indien nahm die Pandemie zunächst einen verhältnismäßig milden Verlauf. Mitte September vergangenen Jahres verzeichnete die Regierung einen Höchststand an 98.000 täglichen Neuinfektionen, nachdem der erste Fall Ende Januar im Land registriert wurde. Danach sank diese Zahl über die nächsten fünf Monate stetig ab. Insgesamt verzeichnet der südasiatische Staat bisher 15,3 Millionen Fälle und 181.000 Corona-Tote.

Diese Zahlen klingen aus europäischer Sicht erschreckend hoch, in Indien leben jedoch fast 1,4 Milliarden Menschen zum Teil auf engstem Raum zusammen. Das Land stand zwar lange an dritter Stelle der Corona-Negativrangliste, anders als Spitzenreiter USA und Brasilien war es jedoch nicht von Mutationen oder mehreren tödlichen Viruswellen betroffen.

Dies droht sich nun zu ändern. In den Megastädten Mumbai (Einwohner in der Metropolregion: 20 Millionen) und Neu-Delhi (30 Millionen) explodieren die Corona-Fallzahlen. Krankenhäuser und Krematorien sind überlastet.

Zuletzt wurden innerhalb eines Tages 270.000 Neuinfektionen registriert– ein Rekord. Erklärbar ist der Anstieg durch eine gewisse Corona-Müdigkeit, wie viele Länder sie nach über einem Jahr Pandemie derzeit erleben. So badeten kürzlich bei einem hinduistischen Fest Hunderttausende Menschen im Fluss Ganges – ohne Maske und Abstand.

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Die „Apotheke der Welt“ liefert nicht mehr

Wegen steigender Corona-Zahlen verhängt Indien einen Exportstopp für Vakzine. Das trifft viele Länder hart – Indien ist der größte Impfstoffproduzent weltweit. Und es ist noch nicht einmal sicher, dass das Indien selbst im Kampf gegen Mutanten und Neuinfektionen hilft.

as farbenfrohe Holi-Festival fiel dieses Jahr klein aus. Am Montag feierten viel weniger Menschen als sonst das indische Frühlingsfest, bei dem man sich gegenseitig mit Puderfarbe bewirft und anmalt. Mehrere Bundesstaaten hatten aufgrund stark steigender Infektionszahlen Großveranstaltungen untersagt.

Indien steckt in der zweiten Corona-Welle, und die Politik zieht harte Konsequenzen: Seit vergangenem Donnerstag werden keine Covid-19-Impfstoffe mehr aus Indien exportiert. Die einheimische Bevölkerung soll priorisiert werden.

Indien, auch bekannt als „Apotheke der Welt“ ist der größte Impfstoffproduzent der Welt. 60 Prozent aller weltweiten Vakzine werden dort hergestellt, viele davon vom Produzenten Serum Institute of India (SII). Im WELT-Interview erklärte Unternehmenschef Adar Poonawalla im vergangenen Jahr: „Wir geben 50 Prozent an Indien, ein Land mit 1,3 Milliarden Menschen, und 50 Prozent an Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen, viele davon in Afrika.“

Unterstützt von der Bill & Melinda Gates Foundation und mit Einsatz von Eigenkapital produziert das SII einen Corona-Impfstoff mit dem britisch-schwedischen Unternehmen AstraZeneca. Seit Mitte Januar wird er in Indien unter dem Namen Covishield gespritzt. Doch Indien exportiert den Impfstoff auch: 60 Millionen Dosen wurden laut dem indischen Außenministerium bisher ins Ausland geliefert, das sind mehr als die 55 Millionen, die im Land selbst verabreicht worden sind.

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Der Kampf um Patente droht die Pandemie zu verlängern

Indien und Südafrika fordern, die Patente für Corona-Impfstoffe freizugeben – damit sich auch die ärmeren Länder den Schutz ihrer Bevölkerung leisten können. Dagegen gibt es erbitterten Widerstand – auch aus Deutschland. Wertvolle Zeit geht verloren.

Produktionsstätten ausweiten und Zwangslizenzen für den nationalen Bedarf erteilen: Diese Notmaßnahmen werden derzeit in der Europäischen Union diskutiert, um Versorgungsengpässe bei den Coronavirus-Impfungen zu beseitigen. Zwei Länder aber wollen noch einen Schritt weitergehen.

An diesem Donnerstag wird in der Welthandelsorganisation (WTO) ein Vorschlag Indiens und Südafrikas diskutiert, Patentrechte für Corona-Impfstoffe komplett aufzuheben. In der Begründung heißt es, Patente seien mitverantwortlich für globale Impfstoffknappheit, vor allem in ärmeren Ländern, die sich keine teuren bilateralen Verträge mit Pharmafirmen leisten können. Doch die reicheren Länder, darunter auch Deutschland, wehren sich – obwohl die vorgeschlagene Ausnahmeregel nur bis zum Ende der Pandemie gelten soll.

Indien spielt in der Pandemie eine besondere Rolle. Die „Apotheke der Welt“ produziert 60 Prozent aller weltweiten Impfstoffe. Die Rezepte stammen jedoch aus dem Ausland und sind großteils durch Patente der großen Pharmafirmen geschützt. So auch während der Corona-Pandemie. Das Serum Institute of India (SII) produziert eine Milliarde Impfdosen, um damit Indien und andere Schwellen- und Entwicklungsländer zu versorgen. Die Rezeptur stammt von der britisch-schwedischen Pharmafirma AstraZeneca.

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Die Impfkluft, die China gezielt ausnutzt

Ein Mitarbeiter hält demonstrativ eine Schachtel mit dem Logo „Sinovac“ in die Kamera. Die Hand des Arztes, der die Spritze hält, zittert leicht. Dann steckt die Nadel neun Sekunden lang im Oberarm des indonesischen Präsidenten Joko Widodo. Hinter ihm prangt ein großes Banner mit der Aufschrift „Sicher und halal“.

Der Fernsehauftritt soll Vertrauen für den in China entwickelten Impfstoff schaffen, von dem unklar ist, wie zuverlässig er wirkt. Ganz Indonesien und zahlreiche andere Schwellenländer setzen auf CoronaVac der chinesischen Firma Sinovac – auch, weil sie keine andere Wahl haben.

Während in Europa und den USA das Massenimpfen begonnen hat, heißt es für ärmere Länder: ungewisses Abwarten. Die Versprechungen der Industrieländer, Impfstoffe gerecht zu verteilen, blieben bisher unerfüllt. Für viele Länder sind daher Impfstoffe aus Indien und China die einzige Hoffnung auf eine schnelle Immunisierung der Bevölkerung.

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