“CoHousing” – Eine eigene Wohnung und WG-Leben zugleich

Dieser Beitrag erschien zuerst in der Berliner Morgenpost vom 10.Juli 2015 und online auf morgenpost.de

In der Spree-WG leben 21 Bewohner in Ein- bis Dreizimmerwohnungen, teilen sich aber einen Gemeinschaftsbereich: „CoHousing“ in Berlin.

Axel Schmidt steht auf der Dachterrasse und blickt auf die Spree. Gerade eben hat der Fotograf noch in der Werkstatt im Erdgeschoss Bretter zu Blumenkästen zusammengeschraubt. Auf den Beeten des Flachdachs soll Gemüse für alle Bewohner wachsen. Er schaut in das angrenzende, verglaste Loft. Dort unterbricht ein Mann sein Gitarrenspiel und winkt ihm zu. “Hier kennt jeder jeden. Man fühlt sich ein bisschen wie auf einem Dorf – nur sind wir mitten in Berlin.”

Zwei Stockwerke tiefer versammelt sich die Spree-WG zum Abendessen in der Gemeinschaftsküche. Es gibt Hirse mit gebackenem Gemüse. Dazu Wasser aus Karaffen, keinen Alkohol. Am langen Holztisch, der mit frischen Blumen geschmückt ist, sitzt eine bunt gemischte große Familie, wie sich die Runde selbst nennt. Zehn von 21 Bewohnern sind es heute. Sie haben sich am Vortag auf einer Tafel am Kücheneingang eingetragen. Jeden Abend kocht einer, der gerade Zeit und Lust hat. Die Einkäufe werden aus der Gemeinschaftskasse bezahlt.

[Weiterlesen...]

Google und die Suchneutralität: „Es zählt nur, was die Nutzer wollen“

Dieser Beitrag erschien zuerst auf taz.de

Die EU klagt gegen Google. Der Jurist und Programmierer James Grimmelmann erklärt, warum er das für übertrieben hält.

Herr Grimmelmann, Was haben Sie zuletzt auf Google gesucht?

James Grimmelmann: Einen meiner Texte zur Suchneutralität. Ich wollte mich auf dieses Interview vorbereiten.

Haben Sie das relevanteste Ergebnis bekommen?

Ja, habe ich. Ich wusste aber auch genau, was ich finden wollte und habe die Worte entsprechend gewählt. Wenn ich mich inspirieren lassen will, in welchem Restaurant ich essen gehen soll oder in welchem Hotel übernachten, nutze ich Google nicht. Ich bevorzuge spezialisierte Suchmaschinen wie das Empfehlungsportal Yelp oder die Reisesuchmaschine Kayak. Da bekomme ich bessere Ergebnisse.

Google ist gar nicht Ihre Lieblings-Suchmaschine, obwohl Sie den Konzern immer zu verteidigen scheinen?

Nicht für diese Art von Suchanfragen. Es ist meine bevorzugte Suchmaschine, wenn es darum geht ein paar erste Informationen zu einem Thema zu bekommen. Gestern hat meine Tochter eine Kindersendung über Baumaschinen im Fernsehen angeschaut. Da war die Frage, was der Unterschied zwischen einem Löffelbagger und einer Aushubmaschine ist. Um das herauszufinden, sind wir auf Google gegangen, lasen einige Wikipedia-Einträge und ein paar Infos auf Webseiten von Baumaschinenherstellern. Für diese Art von unstrukturierter Suche ist Google gut.

[Weiterlesen...]

Brauchen wir diesen Gedenktag?

Dieser Beitrag erschien zuerst auf taz.de

Erstmals gibt es einen nationalen Gedenktag zu Flucht und Vertreibung. Selbst manche Vertriebene halten das nicht für sinnvoll.

Tote Flüchtlinge im Meer, am Strand, vor dem Bundeskanzleramt. Die Nachrichten über die Geschichten der Menschen, die auf der Suche nach Schutz, Frieden und einem besseren Leben in Europa sterben, hören nicht auf. Mitten in Berlin haben erst in dieser Woche Polit-Aktivisten die Beerdigung einer ertrunkenen Syrerin auf einem Friedhof inszeniert. Am Sonntag wollen sie ein Massengrab vor dem Bundeskanzleramt ausheben.

In Deutschland wird nun erstmals ein nationaler „Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung“ begangen. Das Datum, der 20. Juni, ist kein Zufall, sondern der Weltflüchtlingstag der Vereinten Nationen. Man wolle, findet das Bundesinnenministerium, „das Flüchtlingsgedenken um das Schicksal der Vertriebenen erweitern“.

Die Vertriebenen, das sind die Deutschen, die vor 70 Jahren nach Kriegsende aus den alten deutschen Gebieten in den Westen fliehen mussten. Am neuen Gedenktag wird laut Bundesregierung “insbesondere der deutschen Vertriebenen gedacht“ – insbesondere der deutschen Vertriebenen?

[Weiterlesen...]

Gedenken an Flüchtlinge und Vertriebene: „Der Vorbehalt bröckelt immer mehr“

Dieser Beitrag erschien zuerst auf taz.de

Kann man Vertriebenen und Flüchtlingen gleichzeitig gedenken? Ja, sagt der Historiker Stephan Scholz, denn schon jetzt gibt es ein Gefühl der Verbundenheit.

taz: Herr Scholz, an diesem Samstag begeht Deutschland zum ersten Mal einen bundesweiten Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung. Warum jetzt?

Stephan Scholz: Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat noch vor fünf Jahren gesagt, wir bräuchten keinen bundesweiten Gedenktag für Flucht und Vertreibung. Es gibt ja bereits den Volkstrauertag, der aller Kriegsopfer gedenkt. Aber seit 1996 gibt es am 27. Januar den Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus. Gut möglich, dass deshalb der neue bundesweite Gedenktag für Flüchtlinge und Vertriebene ebenfalls aus dem Volkstrauertag ausgekoppelt wurde.

Kommt dieser Tag zu spät?

Ein bundesweiter Gedenktag wurde seit 2001 vom Bund der Vertriebenen (BdV) gefordert. Dabei gibt es schon einen ähnlichen Gedenktag, den „Tag der Heimat“ im September, aber eben nicht in staatlicher Regie. Die ehemalige BdV-Vorsitzende Erika Steinbach verfolgte mit der Verstaatlichung des Tages geschichtspolitische Ziele.

[Weiterlesen...]

Shitstorms im Internet

Shitstorms, Mobbing, Rassismus, Sexismus und Stalking sind strafbar und durch Gesetze verboten. Spielen sich diese Straftaten online ab, scheinen alle Regeln außer Kraft gesetzt. Das muss sich ändern. Aber wie?

Typing on a Laptop

Wer im Internet eine starke Meinung vertritt, wird oft Opfer von gewaltvoller Kommunikation bis hin zu Shitstorms. Anzeige erstattet fast niemand, denn das Netz wird von vielen immer noch als „rechtsfreier“ Raum betrachtet in dem alles nicht so „echt“ scheint wie in einem analogen Umfeld. Dabei leben wir schon lange nicht mehr in zwei Welten. Mobbing und Harrassment tun online genauso weh wie offline, denn hinter jedem Computer sitzt (meist) ein Mensch. Brauchen wir neue Gesetze für das Internet oder reichen die alten? Und was passiert mit der Meinungsfreiheit, wenn der Staat härter im Netz durchgreift?

[Weiterlesen...]