Kauf noch Durchfall, äh…Duschgel – ist der Autokorrektur-Fail bald Vergangenheit?

Dieser Beitrag erschien zuerst auf wired.de

Apple will seine Autokorrektur verbessern. Das macht unser Leben weniger peinlich. Doch was passiert, wenn wir uns zu sehr auf die neue, perfekte Spracherkennung verlassen?

Lust auf Bürgerkrieg? Nein? Dann vielleicht doch lieber Burger King! Ach Autokorrektur, wie du uns das Leben schwer machst. Fast immer schleicht sich bei einer SMS, E-Mail oder sonstigem digitalen Schriftverkehr ein Fehler ein. Die künstliche Intelligenz ist halt doof. So doof, dass wir über sie lachen. Auf unzähligen Autokorrektur-Fail-Seiten wie autocorrectfail oderfyouautocorrect. Davon gibt es mittlerweile so viele, dass die lustigsten sogar in gedruckter Form erscheinen, wie zum Beispiel im Buch „Damn You, Autocorrect“.

Doch der Autokorrektur-Fail könnte bald das Zeitliche segnen, zumindest wenn man ein Apple-Gerät nutzt. Denn Apple hat angekündigt, mit iOS 10 seine Schreibhilfefunktion zu verbessern. Alle Wörter, die automatisch korrigiert wurden, unterstreicht das Smartphone dem Empfänger dann blau. Das soll ihm sagen: Aha, vielleicht will der Peter gar nicht seine Siamkatze zerschneiden, sondern seine Simkarte! Oder so ähnlich.

Tippt man dann auf das blau unterstrichene Wort, bekommt der Empfänger Alternativvorschläge angezeigt. Autokorrektur-Fehler wären dadurch natürlich weiterhin nicht ausgeschlossen, dürften allerdings besser erkennbar sein. Apple findet diese neue Funktion so gut, dass das Unternehmen ein Patent für die Idee angemeldet hat.

Manchen Fan der unfreiwillig komischen Textschöpfung dürfte das traurig stimmen. Natürlich ist das Leben weniger lustig, wenn sofort klar ist, dass der Bekannte nicht auf die niedliche Anti-Pepita-Demo geht, sondern auf die gegen Pegida. Aber die Messaging-Panne kann manchmal auch eher unwitzige Konsequenzen haben.

Zum Beispiel wie damals, als eine Mutter in Schottland per iMessage einen Geburtstagskuchen für ihre Tochter bestellte und sich dafür ein blondes Mädchen aus Zuckerguss als Dekoration wünschte. Aus „blond“ machte die Autokorrektur „blind“. Der Kuchen kam mit einem braunhaarigen Mädchen mit geschlossenen Augen und Blindenstock. Oder, als der Nachname eines Reisenden bei der Flugbuchung von „Moss“ zu „Miss“ geändert wurde und die Airline ihn bei der Passkontrolle aufgrund der Namensdifferenz 600 Pfund für den Fehler zahlen ließ.

Brauchen wir die neue, schlauere Autokorrektur also, um uns vor solchen Missgeschicken zu bewahren? Konstanze Marx, Sprachwissenschaftlerin an der TU Berlin und Co-Autorin des BuchsInternetlingustik, findet nicht. „Etwas blau zu unterlegen ist nicht nötig. Der Empfänger ist ja kognitiv in der Lage, zu erkennen, ob sich jemand während einer Online-Unterhaltung vertippt hat. Wenn Apple meint, man muss es den Leuten noch einmal extra sagen, ist das meiner Ansicht nach eine Unterschätzung der menschlichen Intelligenz“, sagt sie.

Das Apple-Update zweifelt also laut Marx an unserer Intelligenz. Aber was passiert eigentlich, wenn wir die Autokorrektur irgendwann ernst nehmen müssen? Wenn wir vergessen, die Wort-Vorschläge zu überprüfen, weil der Computer sowieso genau errät, was wir denken? Wenn die Künstliche Intelligenz tatsächlich schlauer geworden ist als die menschliche? Dazu Marx: „Zunächst einmal wäre das eine erstaunliche Leistung von Computerlinguisten und anderen KI-Forschern. Andererseits birgt es die Gefahr, dass Inhalte gar nicht mehr kontrolliert werden oder Fehler, die durch Algorithmen entstehen erst nach der Veröffentlichung bemerkt werden. Und dann sind Falschinformationen in der Welt.“

Falschinformationen sind die eine Sache. Dazu kommt die Sorge, dass eine perfekte Computer-Intelligenz Menschen in ihrere Kreativität einschränkt. Was ist, wenn ich gerne zauberhafte Wörter erfinde, die Maschine sie mich aber nicht schreiben lässt, weil sie es besser weiß? ”Die verbesserte Texthilfe macht uns nicht weniger krativ”, sagt Konstanze Marx dazu. Wenn die Autokorrektur oder andere Programme unsere Texte irgendwann quasi von selbst schreiben, gebe es eben andere Bereiche, in denen die menschliche Kreativität mehr Raum habe. Und sowieso: Menschliches Leben spielt sich nie komplett online ab. Die ewige Sorge, dass zum Beispiel Kinder, die mit dem Internet aufgewachsen sind, irgendwann keine ganzen Sätze mehr formulieren könnten, sei unberechtigt. „Kinder gehen in die Schule oder spielen auf dem Sportplatz und haben dort ganz normale Kommunikationssituationen“, sagt Marx. Eine Künstliche Intelligenz, zum Beispiel eine perfekt funktionierende Texterkennung, wird die menschliche also nie ganz ersetzen.

Bis wir der perfekten Autokorrektur blind vertrauen, ist es also noch ein bisschen hin. Wenn die alte, dusselige Autokorrektur bald begraben ist, stellt sich erst einmal die Frage: Worüber lachen wir, wenn der Autokorrektur-Fail vorbei ist? „Dann findet die Netzgemeinde sicher andere Anlässe“, glaubt Konstanze Marx.

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