“Manchmal arbeite ich ohne Bezahlung” – Wie Tänzerin Larissa mit Armut zurechtkommt

Photo by Kyle Head on Unsplash

Photo by Kyle Head on Unsplash

Dieser Beitrag erschien zuerst am 14.5.2018 auf watson.de

Hier gibt es alle Texte der Reihe “Unter 1000“, die ich für watson.de schreibe

Larissa (Name geändert), 25 Jahre, arbeitet als freischaffende Tänzerin in Deutschland und im Ausland. Bis Sommer 2017 studierte sie zeitgenössischen und klassischen Bühnentanz, seitdem war sie an einer Oper und einem Theater angestellt. Im Nebenjob unterrichtet sie Tanz. Ein regelmäßiges Einkommen hat sie nicht. Es kommt vor, dass sie wochenlang nichts verdient. Im Schnitt verdient sie 700 Euro netto im Monat. Davon zahlt sie

  • 300 Euro Miete
  • 200 Euro für Tanz-Training
  • 80 Euro für ihre Versicherung
  • 10 Euro für ihren Handyvertrag
  • 100 Fahrtkosten zum Vortanzen

Außerdem hat sie sich ihre Aussteuerversicherung, eine Form von Lebensversicherung, die Eltern für ihre Tochter abschließen und im Falle einer Hochzeit aber auch vorher fällig werden kann, auszahlen lassen und greift ab und zu auf diese Ersparnisse zurück, auch um Essen, Kleidung und Hygiene-Artikel bezahlen zu können.  [Weiterlesen...]

Programmierer aus dem Flüchtlingscamp

Foto: Ariana Dongus

Foto: Ariana Dongus

Dieser Beitrag erschien in der Printausgabe der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung am 30. April 2017 und online auf faz.net

Im Irak tobt der Krieg gegen den IS. Nebenan büffeln Flüchtlinge für die digitale Zukunft. Das Konzept einer Amerikanerin will ihnen mit Technologiekenntnissen aus der Arbeitslosigkeit heraushelfen.

Als Goory Al-Hamed aus Damaskus fliehen muss, denkt sie nicht lange nach, was sie mitnimmt. Es sind nur ein paar Kleidungsstücke und ihr Laptop, der später zu ihrem größten Kapital werden wird. Jetzt, dreieinhalb Jahre später, sitzt die 27-jährige zierliche Frau auf einem Kissen in einem Flüchtlingscamp am südlichen Ende von Arbil, der kurdischen Hauptstadt des Nordiraks, denselben Laptop vor sich, neben ihr der kleine Gasofen – die einzige Wärmequelle an diesem kalten Morgen. Sie streift die Ärmel ihres Mantels zurück und tippt rasend schnell einen Computercode ins Eingabefenster.

Ihre Website, die es Krankenhäusern ermöglichen soll, bei Versorgungsknappheit Medikamente untereinander auszutauschen, ist fast fertig gebaut. Nur noch wenige Klicks. Doch dann erlischt mit einem Knall das Licht: schon wieder Stromausfall. Al-Hamed klappt den Rechner zu und verlässt die Baracke. Sie geht vorbei an den weißen Zelten des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen, dem Fußballplatz, dem Elektronik-Geschäft ihres Bruders, raus aus dem Camp. Gleich kommt der Bus, der sie zur Programmierschule bringt. [Weiterlesen...]

Schöne, neue Arbeitswelt?

generation_y

Die Arbeitswelt ist im Wandel. Man spricht von einer neuen Generation von Menschen, die flexibel, mobil und selbstbestimmt arbeiten möchte. Die sogenannte „Generation Y“ gilt als innovativ und sinnsuchend, aber auch als verwöhnt und faul. Politik und Wirtschaft passen sich nur langsam diesen neuen Bedürfnissen an, um keine Wähler und Mitarbeiter zu verlieren. Und auch Arbeitnehmer nutzen die neuen Modelle nur zögerlich und arbeiten meist nicht weniger und effizienter – wie es der technologische Fortschritt verheißt – sondern sind überarbeitet bis hin zum Burnout.

[Weiterlesen...]